Mitten im Leben – und doch die Frage: war das alles?
Über das Innehalten in Übergängen
Die Frage „war das alles?“ stellte sich mir mit etwa fünfzig auf eine besondere Weise.
Ich arbeite gern mit den Händen, am Haus und im Garten. Damals kam mir der Gedanke, Rosen zu pflanzen und dafür neue Arbeitshandschuhe zu kaufen. Etwas Alltägliches also, nichts Großes.
Doch etwas in mir stellte es infrage: Lohnt sich das noch? So, als wäre mein Leben bald zu Ende, als würde ich das Blühen der Rosen gar nicht mehr erleben. Ein Gedanke, der rechnete – Aufwand gegen die Zeit, die noch bleibt.
Inzwischen sind vierzehn Jahre vergangen. Der Verstand hat sich offensichtlich geirrt.
Ich habe die Rosen damals gepflanzt und die Handschuhe gekauft. Nicht, weil ich den Gedanken widerlegen konnte, sondern weil er im Augenblick des Handelns keine Rolle mehr spielte. Rückblickend sehe ich, was sich da verschob: weg vom Investieren in eine Zukunft, hin zu dem, was sich jetzt zeigt. Eine veränderte Haltung, die sich zuerst an einem Paar Arbeitshandschuhe zeigte.
Und doch war die Frage eine Aufforderung, innezuhalten. Mit den Jahren wird deutlich: Die Zeit ist nicht mehr grenzenlos. Was ich erreicht habe, ist da – und füllt trotzdem nicht.
In dieselbe Zeit fiel eine Entscheidung. Mit Anfang fünfzig stand die Frage an, ob ich noch einmal bei einem Dreifach-Ironman antreten oder in ein neunundvierzigtägiges Dunkelretreat gehen sollte. Beides zugleich war nicht stimmig, das war mir klar.
Eigentlich ging es um etwas anderes: Richte ich den Blick weiter nach außen – oder jetzt nach innen? Ich entschied mich für innen.
Diese Erfahrungen wurden zum Ausgangspunkt einer anderen Ausrichtung. Sie mündete in einem Satz meiner Lehrerin der Nondualität: „Der Macher darf sterben.“
Nicht der Körper. Sondern die Identifikation mit dem Macher – mit dem, der alles in die Hand nimmt, der stets zu wissen meint, was richtig ist und was falsch.
Als ich das hörte, meldete sich zuerst der Verstand: Wie soll das gehen? Was ist die Alternative? Und darunter, auf einer tieferen Ebene, war ich berührt. Da war ein klares Einverständnis, ohne dass ich wusste, wie es gehen würde oder was es bedeutete.
Was geschieht, wenn der Macher stirbt? Sitze ich dann teilnahmslos in der Ecke und warte, dass der Tag vergeht? Nein. Es geht darum, mich der intuitiven Wahrnehmung zu öffnen. Präsent und offen zu sein für das, was sich zeigt. Und dann darf durchaus mit vollem Einsatz gehandelt werden – ob es die Gestaltung einer Website ist oder die Montage einer Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Ich erzwinge nicht mehr das vermeintliche Wissen, wo es langgeht. Ich schaue – so genau, wie es mir gerade möglich ist –, wie sich das Leben in diesem Moment durch mich ausdrücken möchte.
Das war der Übergang vom Rennenden zum Innehaltenden.
Und jetzt, mit dreiundsechzig, klopft erneut ein Übergang an. Ich bin bereit, meine Arbeit auf eine andere Grundlage zu stellen. Vieles läuft weiter, und doch zeigen sich alle Merkmale eines Übergangs: Das Alte ist noch da, das Neue noch nicht.
Eines ist anders als früher. Ich flüchte mich nicht mehr in das „Das wird schon“. Ich bleibe, so weit es mir möglich ist, offen und präsent in dem, was jetzt ist – auch wenn sich Aufregung zeigt und Unsicherheit.
Erlebst Du Dich gerade in einem Übergang? Am Ende des Berufslebens, im Miteinander mit einem Menschen, oder in einem anderen?
Es gibt einen anderen Weg, damit umzugehen. Er beginnt damit, wahrzunehmen, was jetzt ist – statt zu rechnen, was noch kommt.
Wenn Du darüber sprechen möchtest, ruf einfach an.
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